Berlin ist der Ort, der 2013 zur Gründung von querstadtein e.V. geführt hat. Die hohe Obdachlosigkeit ist deutlich zu sehen, wird aber von vielen ignoriert, wie Clemens Poldrack erklärt. Der Verein möchte durch die Stadtführungen einen Dialog mit Menschen eröffnen, die selbst obdachlos waren, und ihnen ermöglichen, ihre Erfahrungen sichtbar zu machen.
Es sind Stadtführungen der anderen Art. Sie erzählen nicht die Geschichte der Stadt, sondern die Geschichte einer Person aus dieser Stadt. Menschen mit Erfahrungen von Wohnungslosigkeit, Obdachlosigkeit, Flucht oder Migration zeigen die Stadt aus ihrer Sicht. Dabei weisen sie auch auf strukturelle Probleme hin.
Wohnungslosigkeit hat viele Gesichter. Es sind nicht nur einzelne Schicksale, sondern Probleme, die alle betreffen: teure Wohnungen, wenig verfügbare Wohnungen, schlecht bis gar nicht sanierter Wohnraum, fehlende Unterstützung und noch viel mehr. Diese Probleme sind bekannt, aber oft nicht aus der Sicht der Betroffenen.
Auch im Jahr 2024 lag die Zahl der wohnungslosen Menschen laut dem Berliner Senat noch bei über 55.000 Personen. Die individuellen Stadtführungen von querstadtein sollen die Toleranz der Mitmenschen erhöhen und sie zum Handeln bringen.
Der Verein, die Mitarbeitenden und die Stadtführenden leisten wichtige politische Bildungsarbeit, erläutert Poldrack. Die Bildungslücke bei Themen wie Obdachlosigkeit und Fluchterfahrungen sei noch zu groß.
Neben der Bildungsarbeit im Stadtbild bietet querstadtein auch Workshops an. Dort bereiten Kinder und Jugendliche aus Schulklassen oder anderen Bildungseinrichtungen die Führung vor und werten sie anschließend aus. Für Erwachsene leitet der Verein Workshops zu Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit.
Auch wenn der Verein seit vielen Jahren existiert, sind die finanziellen Mittel auch hier knapp. Daher wünscht sich Clemens Poldrack eine finanziell sichere Zukunft für den Verein, die nicht nur auf Förderungen angewiesen ist. Und ein weiterer Wunsch ist, dass noch mehr Menschen sich mit dem vielschichtigen Thema der Wohnungs- und Obdachlosigkeit beschäftigen, anstatt über die Betroffenen hinwegzusehen.











