In den Niederlanden ist das Abpflastern als Tegelwippen bekannt: Dabei werden Pflastersteine und andere Beläge entfernt, damit versiegelte Flächen wieder frei werden. Der erfolgreiche Wettbewerb aus den Niederlanden findet inzwischen auch in Deutschland statt.
Ins Leben gerufen haben den Wettbewerb Studierende der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Alles begann 2025 mit einem Studienprojekt: Eine Gruppe von Studierenden erhielt den Begriff abpflastern, die deutsche Übersetzung von Tegelwippen, und sollte daraus einen eigenen Wettbewerb machen, mit eigenen Regeln, einer Website und einem Social-Media-Account.
Lioba Huss, die als Studentin im Projektteam mitarbeitet, war von Anfang an dabei und sehr überrascht:
Niemand kennt uns da draußen, niemand hat von abpflastern gehört, niemand kennt diesen Begriff. Aber anscheinend hat das irgendeinen Nerv getroffen.
Dann ging es los, ganz nach dem Motto: „Wir wollen was verändern, wir machen das einfach mal und wir gucken mal, wo das möglich ist“, wie Lioba Huss erklärt. Schon im ersten Jahr nahmen 30 Kommunen teil, und 2026 hat sich die Zahl der Teilnehmenden mehr als verdoppelt.
Das Abpflastern ist ein konkretes Projekt, das den Blick auf die Gestaltung des öffentlichen Raums lenkt und Menschen zusammenbringt. Lioba Huss erzählt, wie viel Freude die gemeinsamen Aktionen machen und wie viele Begegnungen und Kontakte dabei entstehen.
Der Wettbewerb ruft allerdings nicht dazu auf, illegal Pflastersteine zu entfernen. Meist entfernen die Teilnehmenden die Steine auf privaten Grundstücken, und bei öffentlichen Flächen stimmt das Team alles mit den jeweiligen Kommunen ab, wie Lioba Huss betont. Für die Zukunft wünscht sie sich eine einfachere Zusammenarbeit zwischen Bürgerinitiativen und Verwaltungen, damit mehr Flächen entsiegelt werden können.
Lioba Huss selbst geht nach eigenen Worten mit einer Abpflaster-Brille durch die Welt: Überall fallen ihr versiegelte Flächen auf, besonders nach einem weiteren heißen Sommer. Oft hat sie nach Schatten gesucht und hätte an vielen Orten am liebsten ein paar Steine entfernt.
Schwierigkeiten bereiten die Gesetzgebung und die kommunalen Regeln, die beim Entsiegeln oft nicht ganz klar sind. Hinzu kommt die Finanzierung: Weil es sich um ein studentisch geleitetes Projekt handelt, sind die Fördermittel sehr gering. Um in Zukunft mehr Flächen entsiegeln zu können, ist finanzielle Unterstützung sehr wichtig.
Lioba Huss träumt davon, dass aus dem Wettbewerb bald eine Bewegung wird, die Menschen zusammenbringt.











