Geschäftsführer Goldeimer Malte Schremmer
Ökologie

Malte Schremmer

GeschäftsführerGoldeimer

Warum die Schwemmkanalisation unserer Toiletten in Zukunft nicht mehr tragbar ist

10:34·24 Juni 2026

Malte Schremmer ist Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH Goldeimer. Sein Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Trockentoilette wieder gesellschaftstauglich zu machen und ihr Potenzial auf allen Ebenen zu nutzen.

Erst war es ein Projekt im Studium, nach dem Abschluss wurde es Realität. Seit 2022 ist Goldeimer in Verantwortungseigentum ist. Das Unternehmen ist und bleibt also gemeinnützig. Das heißt, dass alle, die dort arbeiten das Unternehmen führen. Den Mitarbeitenden ist klar, dass die Toilette, wie sie heute existiert, auf Dauer nicht mehr funktionieren wird. Die Schwemmkanalisation, die für die Spülung viel Wasser verbraucht, ist zukünftig nicht mehr stemmbar. Denn das Wasser auf der Erde wird knapp. Allein durch Toilettenspülungen verbraucht Deutschland jährlich circa 1 Billion Liter Wasser. Daher braucht es eine Sanitärwende findet Malte Schremmer. Er vergleicht diese mit der Energie- und Mobilitätswende. Am Anfang braucht es hohe Investitionen und es ist nicht die kostengünstigste Alternative. Aber je mehr geforscht, ausprobiert und umgesetzt wird, desto schlechter steht das aktuelle energieintensive Modell dar. Die Alternative, also die Trockentoilette, gewinnt an Beliebtheit. Diesen Prozess treibt das Unternehmen mit seiner Arbeit voran. 

Mit seinen knapp 90 Trockentoiletten zieht das Goldeimer-Team im Sommer von einem Festival zum nächsten und wird dabei von vielen ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen beim Betrieb und der Aufklärungsarbeit unterstützt. So haben sie schon viele Menschen erreicht. Allerdings reicht der Festivalbetrieb nicht aus, um Goldeimer dauerhaft zu finanzieren und nicht alle Altersgruppen werden erreicht. Dafür hat das Team einen Shop aufgebaut, der mit bedrucktem Klopapier begann und mittlerweile sowohl fertige Trockentoiletten als auch Bausätze beinhaltet. Die Aufklärungsarbeit läuft nicht nur über das informierende Klopapier. Auch Presse- und Lobbyarbeit und Social-Media-Kampagnen spielen eine Rolle. Denn wenige Menschen wissen, dass die große Herausforderung von Toiletten die Verwertungskette ist, wie Schremmer im Laufe der Jahre festgestellt hat. 

Der aktuelle Kreislauf sieht grob zusammengefasst folgendermaßen aus: Essen und Trinken wird verdaut, Urin und Feststoffe bei einem Toilettengang ausgeschieden, Wasser spült alles durch die Schwemmkanalisation in eine Kläranlage, in der dann unter hohem Strom- und Chemikalienverbrauch das Wasser wieder aufbereitet wird. Malte Schremmer hat eine bessere Lösung, die er wieder gesellschaftstauglich machen möchte. Die enthaltenen Stoffe Phosphor, Kalium, Magnesium und Stickstoffe sollen nicht verloren gehen. Möglich ist das mit der Trockentoilette. Anstatt verschmutztes Wasser aufwendig aufzubereiten, wird mit Trockenstreu “gespült” und der Inhalt des Goldeimers anschließend als Dünger genutzt. 

Die Inbetriebnahme der Goldeimer-Recyclinganlage zeigt exemplarisch, dass der Kreislaufgedanke auch bei der Toilette möglich ist. So kann viel Wasser gespart und ein Teil des synthetischen Düngers kann durch organischen ersetzt werden. Im kleinen Rahmen setzt Schremmer das mit seinem Team schon um. Mit dem erwirtschafteten Geld unterstützt die GmbH Sanitärprojekte auf der ganzen Welt. Denn knapp 3,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu einer gesicherten Sanitärversorgung und der Sanitation Fund soll dabei helfen, mit der den Weg wasserlosen, dezentralen und kreislauforientierten Sanitärversorgung den Weg aus der Sanitärkrise zu finden. Schremmer agiert sowohl auf lokaler als auch globaler Ebene, wünscht sich aber mehr Beliebtheit und deutlich mehr Unternehmen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, Trockentoiletten herstellen und auf den Markt bringen.

Lena Kirchner
Journalist impact.info
Veröffentlicht am 24 Juni 2026
Bildnachweis — © Goldeimer