Goldeimer begann als Projekt im Studium. Nach dem Abschluss wurde es Realität. Seit 2022 ist Goldeimer in Verantwortungseigentum. Das Unternehmen ist und bleibt also gemeinnützig. Das heißt, dass alle, die dort arbeiten, das Unternehmen führen. Den Mitarbeitenden ist klar, dass die Toilette, wie sie heute existiert, auf Dauer nicht mehr funktionieren wird. Die Schwemmkanalisation, die für die Spülung viel Wasser verbraucht, ist in Zukunft nicht mehr tragbar. Denn das Wasser auf der Erde wird knapp. Allein durch Toilettenspülungen verbraucht Deutschland jährlich circa 1 000 Milliarden Liter Wasser. Daher braucht es eine Sanitärwende, findet Malte Schremmer. Er vergleicht diese mit der Energie- und Mobilitätswende. Am Anfang braucht es hohe Investitionen, und die neue Lösung ist nicht die kostengünstigste Alternative. Aber je mehr geforscht, ausprobiert und umgesetzt wird, desto schlechter stellt sich das aktuelle energieintensive Modell dar. Die Alternative, also die Trockentoilette, gewinnt an Beliebtheit. Diesen Prozess treibt das Unternehmen mit seiner Arbeit voran.
Mit knapp 90 Trockentoiletten zieht das Goldeimer-Team im Sommer von einem Festival zum nächsten. Dabei unterstützen viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer den Betrieb und die Aufklärungsarbeit. So hat das Team schon viele Menschen erreicht. Allerdings reicht der Festivalbetrieb nicht aus, um Goldeimer dauerhaft zu finanzieren. Außerdem erreicht er nicht alle Altersgruppen. Deshalb hat das Team einen Shop aufgebaut. Er begann mit bedrucktem Toilettenpapier und bietet mittlerweile sowohl fertige Trockentoiletten als auch Bausätze an. Die Aufklärungsarbeit läuft nicht nur über das bedruckte Toilettenpapier. Auch Pressearbeit, Lobbyarbeit und Social-Media-Kampagnen spielen eine Rolle. Denn wie Schremmer im Laufe der Jahre festgestellt hat, wissen nur wenige Menschen, dass die Verwertungskette die große Herausforderung bei Toiletten ist.
Der aktuelle Kreislauf sieht grob zusammengefasst folgendermaßen aus: Der Körper verdaut Essen und Trinken und scheidet beim Toilettengang Urin und Feststoffe aus. Wasser spült alles durch die Schwemmkanalisation in eine Kläranlage. Dort wird das Wasser mit hohem Strom- und Chemikalienverbrauch wieder aufbereitet. Malte Schremmer hat eine bessere Lösung, die er wieder gesellschaftstauglich machen möchte. Die enthaltenen Stoffe Phosphor, Kalium, Magnesium und Stickstoff sollen nicht verloren gehen. Möglich ist das mit der Trockentoilette. Anstatt verschmutztes Wasser aufwendig aufzubereiten, wird mit Trockenstreu „gespült“ und der Inhalt des Goldeimers anschließend als Dünger genutzt.
Die Inbetriebnahme der Goldeimer-Recyclinganlage zeigt exemplarisch, dass der Kreislaufgedanke auch bei der Toilette möglich ist. So lässt sich viel Wasser sparen. Außerdem kann organischer Dünger einen Teil des synthetischen Düngers ersetzen. Im kleinen Rahmen setzt Schremmer das mit seinem Team schon um. Mit dem erwirtschafteten Geld unterstützt die GmbH Sanitärprojekte auf der ganzen Welt. Denn knapp 3,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu einer gesicherten Sanitärversorgung. Der Sanitation Fund der GmbH soll helfen, mit einer wasserlosen, dezentralen und kreislauforientierten Sanitärversorgung einen Weg aus der Sanitärkrise zu finden. Schremmer agiert sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene. Er wünscht sich aber, dass Trockentoiletten beliebter werden. Außerdem wünscht er sich deutlich mehr Unternehmen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, Trockentoiletten herstellen und auf den Markt bringen.











