Julia Colin
Inklusion

Julia Colin

Direktorin für Entwicklung und soziale GastronomieRefugee Food

Warum die Küche es ermöglicht, andere zu treffen?

10:49·8 Juni 2026

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Julia Colin ist Direktorin für Entwicklung und soziale Gastronomie bei Refugee Food, einer Organisation, die seit fast zehn Jahren daran arbeitet, die berufliche Integration von geflüchteten Menschen zu fördern und den Blick auf das Exil zu verändern.

Refugee Food ist heute sowohl ein Verein, eine Bildungseinrichtung als auch ein Integrationsunternehmen. Ihre Mission basiert auf einer einfachen Überzeugung: Begegnung ist eines der besten Mittel, um Vorurteile abzubauen.

Unser Ziel ist es, den Blick auf geflüchtete Menschen zu verändern und gleichzeitig ihre soziale und berufliche Integration in der Gastronomie zu fördern“, erklärt Julia Colin.

Das Abenteuer beginnt 2016, in einem Kontext, der von der Ankunft zahlreicher syrischer Flüchtlinge in Europa geprägt ist. Angesichts der angstmachenden Diskurse rund um Migration entscheiden die Gründer von Refugee Food, Begegnungsräume rund um eine universelle Sprache zu schaffen: die Küche.

So entstand das Refugee Food Festival, das jedes Jahr im Juni stattfindet. Das Prinzip ist einfach: Flüchtlingsköche arbeiten mit lokalen Gastronomen zusammen, sei es in kleinen Stadtteilkantinen oder in gastronomischen Einrichtungen. Durch diese kulinarischen Kreationen entdeckt das Publikum sowohl Aromen aus anderen Ländern als auch die Geschichten derjenigen, die sie tragen.

Schnell stellt die Organisation jedoch fest, dass über die Sensibilisierung hinaus ein weiterer Bedarf besteht: der Zugang zu Beschäftigung. Die Gastronomie erweist sich als ein besonders relevantes Sektor. Auf der einen Seite haben Unternehmen Schwierigkeiten, Personal zu rekrutieren. Auf der anderen Seite suchen viele geflüchtete Menschen nach Möglichkeiten, ein neues Berufsleben in Frankreich aufzubauen. Refugee Food gründet daraufhin eine eigene Kochschule, um vorqualifizierende und qualifizierende Schulungen anzubieten, die auf die Bedürfnisse des Sektors zugeschnitten sind.

Kochen ermöglicht es, eine Verbindung zur eigenen Geschichte, Kultur und kulinarischen Erbe zu bewahren, während man sich in einen Beruf integriert, der Personal sucht“, erklärt Julia Colin.

Seit 2017 wurden über 500 geflüchtete Personen durch dieses Programm ausgebildet. Zu Beginn des Jahres 2027 wird eine neue Schule im 20. Arrondissement von Paris eröffnet, um diese Dynamik weiter zu stärken.

Die Gesundheitskrise von 2020 markiert einen neuen Schritt in der Entwicklung der Organisation. Angesichts der zunehmenden Ernährungsprobleme und der ungenutzten Lebensmittelbestände in geschlossenen Restaurants entwickelt Refugee Food eine dritte Aktivität, die sich auf solidarische Ernährung konzentriert. Ziel ist es, Menschen in prekären Situationen Mahlzeiten anzubieten, die aus hochwertigen Rohstoffen zubereitet werden, fernab von den oft in der Lebensmittelhilfe verteilten ultraverarbeiteten Lebensmitteln.

Über Ernährung und Beschäftigung hinaus engagiert sich Refugee Food auch in Schulen durch das Programm „Le Goût des Autres“. Dieses Programm richtet sich hauptsächlich an Schüler der vierten Klasse und kombiniert philosophische Workshops, Medienbildung und kulinarische Entdeckungen, um die Jugendlichen für die Realitäten der Migration und den Kampf gegen Vorurteile zu sensibilisieren.
„Die Küche ist ein hervorragendes pädagogisches Werkzeug. Sie ermöglicht es, über Identität, Kultur, Weitergabe und Offenheit gegenüber anderen zu sprechen“, schätzt Julia Colin.

Die Auswirkungen dieser Maßnahmen zeigen sich zunächst in den Lebenswegen der begleiteten Personen. Dank einer umfassenden Betreuung, die Fragen zu Wohnraum, Französischlernen, Schulbildung der Kinder und Zugang zu Beschäftigung einbezieht, weist Refugee Food eine nachhaltige Integrationsquote von 75 bis 80 % auf.

Ein Raum zu finden, in dem man anerkannt wird, wo man zur Gesellschaft beitragen und neue zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen kann, ist entscheidend. Das ermöglicht es geflüchteten Menschen, ihren Platz und ihre Würde zurückzugewinnen“, schließt Julia Colin.

Refugee Food ist eine Initiative, die uns von der Operation Milliard vorgeschlagen wurde, deren eine der Missionen es ist, die Organisationen des gerechten Wandels sichtbar zu machen.

In Partnerschaft mit

Florence Jaillet
Journalist impact.info
Veröffentlicht am 8 Juni 2026
Bildnachweis — Anne-Claire Héraud